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(Alle Reviews veröffentlicht in der PC & Musik (Link))



RA Rare Instruments (PC/Mac, East West, 799,- €,über Best Service München)

Material:               Rare Instruments – die gab’s doch schon mal? Richtig, aber das ist erstens vier Jahre her, zweitens hieß die Produktion damals eben auch „Rare Instruments“ und nicht „RA Rare Instruments“ und drittens gab es damals 16 Instrumente auf 3 – CDs – heute sind es satte 14 GB, die auf DVD ausgeliefert werden. Die Erstausgabe ist zwar wieder vollständig vertreten, macht aber nur etwa 10% der Produktion aus, der Rest wurde im Ocean Way Studio in Hollywood neu eingespielt.

Vielleicht aber haben die Jungs von East West auch ihre Mikros eingepackt, um in aller Welt merkwürdige Naturinstrumente aufs Band zu bekommen – sogar Südamerika haben die laut Inhaltsverzeichnis bereist (Aber mal ehrlich – wer braucht denn schon wirklich Panflöten-Sounds? Zumindest niemand, dessen Stadt eine Fußgängerzone hat).  Während uns Washburn Guitar, Ukulele (spätestens seit „Manche mögens heiß“ ein Begriff) oder Alphorn durchaus vertraut sind, dürfte so mancher bei Gankokwe, Ngoni, Dizi oder Zournaden um den 50:50 Joker bitten (und bei der „Ewe Large Bombshell“ die Notschutzräume aufsuchen, um auf den Minenräumdienst zu warten). Macht aber nichts, im umfassenden Handbuch gibt’s Erklärungen und Abbildungen zu vielen der gut 70 Instrumente (inklusive der Bauweise und der Spieltechniken)            – darin kann man dann auch einfach nur mal so schmökern, ohne ein Keyboard unter den Fingern zu haben.

Die meisten Instrumente liegen dann auch in verschiedenen Spielweisen- und Techniken vor. Außerdem sind sie in drei Kategorien sortiert: „Keyswitches“ (Umschalten zwischen den einzelnen Programmen via Tastatur), „Live“ (hier sind die am meisten genutzten Spielweisen und Klangfarben voreingestellt) und „Elements“ (Ordner mit den Basic-Programmen der Instrumente).

Eine weitere Besonderheit: teilweise wurden nicht nur Einzelinstrumente, sondern auch Ensembles aufgenommen, was die Suche nach der richtigen Klangfarbe dann schon mal enorm erleichtert – wer weiß schon, wie sich eine tibetanische Band zusammensetzt?

Eingebunden werden die Sounds in ein Virtual Instrument auf Basis des Kompakt-Samplers von Native Instruments, so dass Sie auch bequem schrauben und manipulieren können. 

Booklet: Fett. Gut 120 Seiten mit Erläuterungen und Fotos zu den Instrumenten und ihrer Spielweise, Hinweise zum Umgang mit den Sounds, dezidierte Klanglisten und Hintergrundinfos zur Aufnahme, zum Studio und den Technikern. (Schön zu wissen, dass „Bush Bashing“ zu den Hobbies des verantwortlichen Produzenten Nick Phoenix gehört – das macht diese Scheibe dann gleich noch mal so sympathisch). So muss ein Handbuch aussehen. 

Fazit: eine Produktion mit enorm hohen Brennwert, die in jeder Beziehung die Höchstnote verdient. Sauber produziert, mehr als umfassend im Materialangebot und ein glückliches Händchen bei der Auswahl der exotischen Instrumente, dazu die „Kompakt“-ähnliche Oberfläche – viel besser geht’s kaum noch. Und wer jetzt meint, dass er mit exotischen Instrumenten ja eh nichts am Hut hat, sollte mal in das Sounddemo reinhören – mit diesen Klängen lässt sich jede Produktion noch mal gehörig aufwerten. Nicht ganz billig – aber das Preis/Leistungsverhältnis stimmt trotzdem, denn mit der Anschaffung ist man bis ans Lebensende versorgt und rundum glücklich. Ein Referenzprodukt.


Analogue Sequenzer Loops (PC/Mac, Zero-G, 179 €, über Best Service München)



Material:           Manche Reviews schreiben sich ja praktisch von selber. Als bekennender Analog-Synthie-Sammler und Kraftwerk-Hörer der ersten Stunde würde mir wahrscheinlich sowieso kein böses Wort über die Soundsammlung der Analogue Sequenzer Loops über meine Lippen kommen können. Um so schöner, dass sich da der aufkeimende Verdacht der subjektiven Schreibe durch die exzellente Qualität des vorliegenden Materials wie von selbst zerstreut.               

Auf der DVD von Zero-G finden Sie 1,5 GB an Analogen Drums, Bass Sequenzen, FX Loops und melodische Synthieläufen – produziert auf so namhaften Modulmonstern wie Moog IIIC, Roland System 100M und Doepfer A100, sowie auf alten Tastengeräten von Moog, Oberheim und Arp. Eben alles, was Klang und Namen hat. Von „melodisch schön“ über „fett und bauchig“ bis „abgefahren schräg“ reicht die Klangpalette, da sollte nun wirklich jeder auf seine Kosten kommen.

Und damit wir das auch alles stressfrei kombinieren können, hat sich der Hersteller dankenswerterweise dazu durchgerungen, die Soundfülle zum einen in sieben Tempogruppen von 90 bis 150 bpm zu ordnen, zum anderen das Ganze nicht einfach auf die DVD zu schaufeln, sondern in das Gerüst des INTAKT von Native Instruments zu packen. Der ja bekannter weise mehr ist als nur ein simpler Sampleplayer. Damit können die Loops dann wunderbar und leicht manipuliert, gestaucht und gedehnt, synchronisiert und mit Effekten angereichert werden, auch Tempoänderungen funktionieren problemlos. Sie können die Sounds dann demnach auch in andere Instrumente von NI laden – wie zum Beispiel in den Kontakt, womit Sie dann noch einmal ein Pfund Möglichkeiten mehr hätten.

Übrigens liegt das Material in hochwertiger 24 Bit – Auflösung vor – besser geht’s nicht, damit wird der gute Ton schon garantiert.

Der Vollständigkeit halber könnte ich Ihnen jetzt eben noch erzählen, dass die 1000 Loops von Ian Boddy, Europas führenden Synthesizerfachmann stammen. Und hoffen, dass Sie mich für einen Kenner der Szene halten. Aber ehrlich gesagt sagt mir der Name überhaupt nichts, deswegen werde ich ihn dann doch gar nicht erst erwähnen… 

Booklet: Wie immer bei Sound-CDs mit Intakt-Unterstützung gibt’s ein umfangreiches Manual zum Instrument, für die Klänge selber dagegen finden keine Erwähnung. Was auch überflüssig ist, da sie sich im Intakt ja in Bezug auf Klangfarbe, Tempo und Tonart willkürlich verändern lassen.          

 Fazit: Wer auf analoge Sequenzersounds steht (wer das nicht tut, soll sich schämen), kommt um diese Produktion nun wirklich nicht herum. Es sei denn, er verkauft Haus und Hof, um sich das adäquate Hardware-Equipment zuzulegen. Und hat dann noch genügend Zeit, sich da die nächsten  Jahre reinzufrickeln, um so geniale und vielseitige Läufe aus den Kisten zu kitzeln. Nein, da ist der Kauf dieser Scheibe erstens günstiger (wesentlich) und zweitens realistischer (dito)..Auf meiner Festplatte haben die Anlogue Sequenzer Loops jedenfalls lebenslanges Wohnrecht.  


Funk University (WAV/AIFF/Rex, Big Fish, 85 €, über Best Service München)  



Material:               In den Zeiten, in denen das Gespenst der drohenden Studiengebühr umgeht, sind wir für jede alternative Fortbildungsmöglichkeit auf einer Hochschule natürlich extrem dankbar. Die „Funk University“ von Big Fish verlangt zum Beispiel als einmalige Immatrikulationsgebühr 85 €, und bietet dafür dann Magisterstudiengänge im „Funky Drumming“ mit dem Abschluss Mag.Phil.Funk. – macht sich doch gute auf dem Emailleschild neben der Klingel. (An der FU war ich übrigens auch mal – aber die hieß damals noch Freie Universität und war in Berlin.. aber das interessiert ja doch niemanden, ich bin ja schon still)

Geboten werden live eingespielte Funkldrum-Loops (unter anderem von Keith Harris von den Black Eyed Peas), die in Fünferschritten abgestuft von 55 – 150 bpm sortiert sind und immer in mehreren Kits und bis zu 20 verschiedenen mehrtaktigen Variationen vorliegen.  

Booklet: Fehlte beim Testmuster. Vielleicht gibt es auch gar keins. Wer weiß das schon? (Ok, Best Service weiß es, aber es ist gerade kurz nach Mitternacht, und so wichtig ist es auch nicht, dass ich Sandy deswegen aus dem Bett holen würde) 

Fazit: Kein überflüssiger Ballast, keine Extra-Sounds, die niemand braucht – hier wird bodenständig, aber gut getrommelt. Das Material ist umfangreich und sauber eingespielt – wer einen guten Funky Drummer benötigt, der ist hier richtig. Sollen die doch kommen mit ihren Studiengebühren…


Chemical Synths (Reason, Zero-G, 85 €, über Best Service München)



Material:               “Chemical” ist ja schon mehr mein Metier. Übrigens haben zufällig gerade gestern Abend die Chemical Brothers in Köln gespielt – das Leben besteht eben aus einer Kette von merkwürdigen Zufällen. Oder auch nicht, vielleicht ist ja auch alles vorher bestimmt. Auf jeden Fall: den Sound der Chemiebrüder noch im Ohr, fällt die Besprechung dieser Scheibe gleich noch mal so leicht.

Lassen wir zur Einstimmung die Werbung sprechen (warum soll ich mir hier Gedanken machen, wenn andere dafür gut bezahlt werden, den Inhalt dieser CD wortgewaltig anzupreisen?): „Schneidige Synthsounds  für Reason, vom Produzenten der „Ambient Textures“: Hard-ass basses, searing leads, riffs, loops & patches“. (Allein für die Wortschöpfung „Hard-ass-basses“ hat der Mann sein Geld verdient).

Und: ja, diese CD hält das Feeling des gestrigen Konzerts noch eine Weile am Köcheln, auch wenn mir dann die völlig abgefahrene Multimediashow drumherum etwas fehlt. Wofür ich aber die Produzenten der Chemical Synths nicht verantwortlich machen möchte, man kann schließlich nicht an alles denken. Immerhin enthält die DVD (ja, DVD, nicht schnöde CD)  200 Patches für den NN-XT-Sampler, je 200 REX-Arps und REX-Riffs, 150 NN-19 Patches, noch einmal 200 für den Malström und 40 Subtractor Patches. Wer jetzt alles zusammenzählt und dabei auf die stolze Zahl von 1000 Patches kommt, darf sich selber a) aus der Pisa-Studie herausdividieren  und b) auf die Schulter klopfen – richtig. Produziert wurde das ganze auf angesagten Klangerzeugern wie Supernova, Access Virus, Korg Z1, Microwave, Micro Q,  Mutronics Mutator und Sherman Filterbank, Geräte, für deren Besitz unser vorsichtiger Innenminister teilweise schon lange einen Waffenschein fordert, so scharf sind sie Sounds. (Ich übertreibe? Natürlich, aber was wäre das Leben ohne Übertreibung?)

Die 400 REX-Sounds können Sie übrigens auch ohne Reason-Synthie verwenden, für die Malström und NN-XT-Patches dagegen benötigen Sie wiederum den Reason 2.0 oder höher, alles, was dazwischen liegt, wird auch vom Reason mit niedrigeren Versionsnummern anstandslos geschluckt.

Bei den Sounds hat die Werbung dann auch ausnahmsweise nicht übertrieben: „schneidig, Hard-assed, glühend“ – ja, stimmt alles. Klingt für die Chemical Brothers vielleicht nicht immer schmutzig genug, aber ganz wunderbar nach „Der dritte Raum“ oder „Earth Nation“. 
 
Booklet: Wie immer bei Sampling-CDs für den Reason beschränkt sich das Handbuch auf eine kurze Auflistung auf einer Seite, der Rest erschließt sich dann wohl bei der Anwendung selber. Oder auch nicht. Die REX-Files sind aber eindeutig bezeichnet und: was soll’s? Wer wird bei dem guten Sound schon kleinkariert sein wollen und am Booklet rummäkeln?

Fazit: Ich mag Chemical, Earth Nation, den dritten Raum, also mag ich auch diese CD mit ihren vielen, guten Sounds. Klar ist das ein Special-Interest Produkt, mit dem sicher nicht jeder glücklich wird. Aber – muss er ja auch nicht. Hören Sie einfach mal in das Demo rein und entscheiden selber, ob die Chemical Synths klanglich in Ihren persönlichen 5-Jahres-Plan passen. Wenn ja, sollten Sie sich diese Produktion unbedingt zu legen, wenn nicht, dann schämen Sie sich eben ein wenig. Wieder mal ein Must Have für die Freunde der etwas härteren Gangart.


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